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Optionen handeln lernen: Der kompakte Leitfaden für Einsteiger

bissendorf

Optionen handeln in Deutschland: warum die meisten Privatanleger an den Nebenkosten scheitern

Ich saß vor ein paar Wochen mit einem Bekannten beim Kaffee, der mir stolz erzählte, er habe mit Optionen im letzten Quartal "richtig gut verdient". Auf meine Frage, wie viel denn nach Gebühren und Steuern übrig geblieben sei, wurde er still. Kurz gerechnet, kam raus: von den 1.400 Euro Bruttogewinn blieben am Ende knapp 380 Euro übrig. Der Rest waren Kommissionen, Spreads und Abgeltungssteuer.

Das ist der Punkt, über den kaum jemand redet, wenn es um Optionen handeln geht. Alle erklären Ihnen geduldig, was ein Call und was ein Put ist. Niemand zeigt Ihnen, wo das Geld tatsächlich verschwindet. Genau da setze ich an.

Wichtige Erkenntnisse

  • Optionen sind keine Optionsscheine. Das ist die Verwechslung, die Anfänger am häufigsten teuer bezahlen.
  • Verkäufer kassieren die Prämie, tragen aber das größere Risiko. Bei "nackten" Optionen ist der Verlust theoretisch unbegrenzt.
  • Gewinne sind beim Stillhalten grundsätzlich gedeckelt, Verluste nicht.
  • Kommissionen pro Kontrakt, Bid-Ask-Spreads und die Abgeltungssteuer auf vereinnahmte Prämien fressen einen erheblichen Teil der Rendite.
  • Cash-Secured Puts und Covered Calls sind die zwei Strategien, mit denen Einsteiger realistisch arbeiten können.

Was Optionen eigentlich sind (und warum sie keine Optionsscheine sind)

Eine Option ist ein Vertrag zwischen zwei Parteien. Der Käufer erwirbt das Recht, aber nicht die Pflicht, einen Basiswert zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Der Verkäufer, in der Fachsprache Stillhalter genannt, verpflichtet sich zur Gegenseite und erhält dafür sofort eine Prämie.

Diese Prämie fließt am ersten Tag. Ob der Käufer sein Recht am Ende ausübt oder nicht, spielt für den Stillhalter keine Rolle — die Prämie bleibt ihm. Das ist der ganze Reiz des Stillhaltergeschäfts, und genau das verwechseln viele mit "risikofreiem Zusatzeinkommen".

Optionen oder Optionsschein: der entscheidende Unterschied

Hier komme ich zu dem Punkt, der in meiner eigenen Anfangszeit die meiste Verwirrung gestiftet hat. Ich habe damals tatsächlich ein halbes Jahr lang Optionsscheine gehandelt und gedacht, ich mache Optionshandel. Tat ich nicht.

Merkmal Echte Option Optionsschein
Ausgeber Börse (standardisiert, z. B. Eurex) Emittent (Bank)
Gegenparteirisiko Gering, Clearing-Stelle dazwischen Emittentenrisiko vorhanden
Handelszeiten Börsenzeiten Meist länger, teils bis abends
Stillhalterprämie kassieren Möglich Nicht möglich
Kontraktgröße Fest (z. B. 100 Aktien) Frei gestaltbar

Wer nur Optionsscheine handelt, kann das Stillhaltergeschäft schlicht nicht betreiben. Das ist ein grundlegend anderer Markt.

Wie riskant ist Optionshandel?

Das kommt ganz darauf an, auf welcher Seite des Vertrags Sie stehen — und ob die Position gedeckt ist. Die pauschale Aussage "Optionen sind hochriskant" greift zu kurz, und die Aussage "Optionen sind sicher, solange man stillhält" ist schlicht falsch.

Gedeckte Positionen: überschaubares Risiko

Ein Cash-Secured Put bedeutet: Sie halten genug Kapital, um die Aktie beim Ausüben tatsächlich zu kaufen. Ihr maximales Risiko ist der Kursverlust der Aktie, nicht mehr. Ein Covered Call bedeutet: Sie besitzen die Aktie bereits und verkaufen das Recht, sie zu einem höheren Kurs abzugeben. Verlustpotenzial: der Kursrückgang der Aktie.

In beiden Fällen ist Ihr Risiko gedeckelt durch etwas, das Sie ohnehin besitzen würden. Das ist der Kern der These, die ich vertreten würde, wenn man mich auf eine einsame Insel verbannt: Optionshandel ist nicht riskant. Unseriös ungedeckter Optionshandel ist es.

"Nackte" Optionen: Zocken auf höchster Stufe

Ein nackter Call ist das, was der Name sagt. Sie verkaufen das Recht auf eine Aktie, die Sie nicht besitzen. Steigt der Kurs stark, müssen Sie teuer einkaufen und billig liefern. Verluste sind nach oben nicht begrenzt.

Ich habe das einmal ausprobiert. Einmal. Es war eine Woche vor einer Quartalszahl, ich dachte, die Prämie sei "geschenktes Geld". Die Aktie sprang über Nacht um fast 9 Prozent. Ich habe die Position am nächsten Morgen mit einem Verlust geschlossen, der das Vierfache der ursprünglichen Prämie betrug. Seitdem lasse ich die Finger davon.

Kann man mit Optionen Geld verdienen?

Ja. Aber nicht so, wie es in den meisten Ratgebern klingt.

Wer regelmäßig Covered Calls auf solide Dividendenzahlungen schreibt, kann seine Rendite spürbar erhöhen — in meinem eigenen Depot machte das über ein gutes Jahr gerechnet etwa 1,8 Prozentpunkte zusätzlich aus, vor Kosten und Steuern. Nach Kosten blieb davon vielleicht die Hälfte. Das ist ehrlich, aber es ist keine Verdopplung des Vermögens.

Der Grund ist struktureller Natur, und er wird oft verschwiegen: Gewinne sind grundsätzlich gedeckelt, Verluste nicht. Wenn Sie eine Prämie von 2 Euro kassieren, verdienen Sie maximal diese 2 Euro. Läuft es schief, kann es deutlich teurer werden. Dieses asymmetrische Verhältnis ist die zentrale Eigenschaft von Optionsgeschäften, und es erklärt, warum Optionshändler eben nicht dauerhaft überdurchschnittlich verdienen — sie brauchen vor allem Glück.

Die Sache mit der Stillhalterprämie und der Steuer

Prämien aus dem Stillhaltergeschäft sind keine Kursgewinne im klassischen Sinne. In Deutschland fallen sie unter die Abgeltungssteuer, sobald sie dem Konto gutgeschrieben werden — zumindest bei den meisten Konstellationen, die mir in der Praxis begegnet sind. Das sollten Sie mit Ihrem Broker oder Steuerberater klären, bevor Sie eine Strategie groß aufziehen. Ich habe das anfangs komplett ignoriert und mich über eine Steuernachzahlung geärgert, die ich hätte kommen sehen müssen.

Welche sind die 4 Grundstrategien bei Optionen?

Vier Positionen bilden das Fundament, alles andere ist Kombination:

Welche sind die 4 Grundstrategien bei Optionen?
  1. Long Call — Sie kaufen das Recht zu kaufen. Sie setzen auf steigende Kurse, Ihr Risiko ist auf die gezahlte Prämie begrenzt.
  2. Long Put — Sie kaufen das Recht zu verkaufen. Klassische Absicherung oder Wette auf fallende Kurse.
  3. Covered Call — Sie besitzen die Aktie und verkaufen einen Call darauf. Prämie kassieren, Gewinn oben begrenzt.
  4. Cash-Secured Put — Sie halten Kapital bereit und verkaufen einen Put. Prämie kassieren, im Ausübungsfall kaufen Sie die Aktie zu einem selbst gewählten Preis.

Die letzten beiden sind die einzigen, mit denen ich Anfängern ohne schlechtes Gewissen empfehlen würde, anzufangen. Die ersten beiden sind Wettinstrumente — legitim, aber sie machen aus einer Absicherung keinen Einkommensstrom.

Übrigens: Die Reihenfolge in vielen Listen ist anders. Manche stellen die Käuferstrategien vorne hin, weil sie intuitiver klingen. Ich finde das irreführend. Die verkäuferorientierten Strategien sind das, worauf die meisten Privatanleger tatsächlich abzielen, auch wenn sie es nicht wissen.

Broker, App und die Kostenfalle, über die niemand spricht

Der wichtigste Satz dieses Artikels: die Kosten entscheiden, ob Sie mit Optionen überhaupt Geld verdienen können.

Bei Aktien fällt eine einmalige Kommission an. Bei Optionen fällt sie pro Kontrakt an — und pro Vorgang. Kaufen ist ein Vorgang. Schließen ein zweiter. Fällt die Option wertlos aus, haben Sie Glück und zahlen nur einmal. Aber gerade bei kurzen Laufzeiten summieren sich diese Posten.

Worauf Sie bei der Broker-Wahl achten sollten

  • Regulierung und Einlagensicherung — klären Sie, ob der Broker in der EU zugelassen ist
  • Börsenzugang: Eurex mit deutschen oder US-Terminalbörsen mit anderen Kontraktgrößen
  • Kommission pro Kontrakt, nicht pro Order — das ist bei mehreren Kontrakten der entscheidende Wert
  • Bid-Ask-Spread im konkreten Kontrakt, den Sie handeln wollen
  • Plattform: Kann die App Stillhaltergeschäfte und Deckungsnachweise überhaupt sauber abbilden?

Manche Neobroker bieten Optionshandel schlicht gar nicht an, weil das Handelsmodell es nicht hergibt. Wer auf einer solchen App unterwegs ist, kann dort auch keine Optionen handeln — und wird das auch nach langer Suche nicht finden. Das ist manchmal die schnellste Antwort auf die Frage nach dem passenden Broker.

Was ist besser, Optionen oder Aktien?

Für die meisten langfristig orientierten Anleger: Aktien. Punkt.

Optionen sind ein Werkzeug, kein Ersatz für ein Depot. Sie eignen sich, um eine bestehende Aktienposition zu besichern, um zusätzliche Erträge zu erzielen, wenn Sie die Aktie ohnehin halten würden, oder um sich gegen Kursverluste abzusichern. Sie eignen sich nicht zum Vermögensaufbau über Jahrzehnte — dafür ist ihr Zeitwertverfall zu gnadenlos.

Wenn Sie mit Optionen anfangen wollen, hier mein Rat aus eigener Erfahrung: Beginnen Sie mit einer einzigen Covered-Call-Position auf eine Aktie, die Sie ohnehin besitzen. Eine Position. Drei Monate Laufzeit. Schreiben Sie sich vorher auf, was Sie erwarten und was Sie als Verlust akzeptieren. Vergleichen Sie hinterher das Ergebnis mit dem, was passiert wäre, wenn Sie gar nichts getan hätten.

Die erste Frage lautet nicht: Wie viel kann ich verdienen? Sie lautet: Bin ich bereit, die Aktie zu liefern, wenn es so kommt?

Was Anfänger in Deutschland am häufigsten falsch machen

Drei Muster sehe ich bei fast jedem, der neu einsteigt.

Erstens: Sie verwechseln Optionen mit Optionsscheinen. Zweitens: Sie halten die Prämie für einen sicheren Zufluss und vergessen, dass sie an die Verpflichtung gebunden ist. Drittens: Sie rechnen ohne Gebühren.

Und dann gibt es noch den vierten Punkt, über den ich am Ende meines eigenen Lernprozesses gestolpert bin: Man kann Optionen nicht "einfach so" handeln. Es gibt keine einfache Erklärung, die drei Jahre Erfahrung ersetzt. Wer glaubt, nach einem Buch alle Eventualitäten zu kennen, wird eine Position irgendwann mit einem Verlust schließen, der ihn überrascht.

Das ist kein Argument gegen Optionen. Es ist ein Argument gegen ungedeckten Optionshandel ohne Verständnis der Mechanik. Wer die Mechanik kennt, kann Optionen sinnvoll einsetzen. Wer sie nicht kennt, ist auf der anderen Seite des Deals — und dort wollen Sie nicht stehen.

Die eigentliche Frage ist also nicht, ob Sie mit Optionen Geld verdienen können. Sie lautet, ob Sie das Geschäft so verstehen, dass die Prämie, die auf Ihrem Konto landet, tatsächlich für das Risiko bezahlt wird, das Sie tragen.

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Matthias Schneider

Matthias Schneider

Matthias Schneider berichtet seit über fünfzehn Jahren als Journalist über die Schnittstellen von Finanzen, Immobilien und Geschäftsthemen.

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